Akupunktur Massage

Drucken

Wärme für die Winterzeit

Macht Scharfes scharf?

Der Geschmacksrichtung scharf werden aphrodisierende Wirkungen zugeschrieben. Viagra oder Red hot pepper (Chili) ist demnach die Frage! Weiter werden scharfen Gewürzen auch antibakterielle Eigenschaften zugesprochen. Was ist dran?

Annähernd in allen tropisch heißen Ländern der Welt wird scharf gewürzt. Grund dafür, so wird vielfach vermutet, sei in hygienischen Belangen zu finden. Scharf, so wird argumentiert, desinfiziert und hält das Essen von Krankheitskeimen frei. Krankheitserregern, die in tropischer Hitze ideale Bedingungen zur Vermehrung haben. Eine logische Vermutung, die leider nicht immer zutrifft. Ich zumindest verlasse mich generell nicht darauf. Es sei denn, bei einer beginnenden Angina. Hier kann versucht werden ein oder zwei Gewürznelken in den Zwischenraum zwischen Oberlippe und den Zähnen des Oberkiefers über Nacht zu deponieren. Der Speichel löst die ätherischen Wirkstoffe der Nelke und gelangt so kontinuierlich in den Rachenraum. Das funktioniert auch bei Zahnschmerz von kariösen Zähnen als Erste Hilfe, zur Überbrückung bis zum Zahnarztbesuch. Ansonsten hat die Bevorzugung scharf gewürzter Gerichte einen anderen, aber ebenso plausiblen Grund:

Scharf macht kalt

Stellen Sie sich vor, Sie nehmen einen kräftigen Schluck aus der Tabascoflasche. (Bitte nur vorstellen, keinesfalls tun!) Was passiert, außer das Sie in Atemnot geraten, also keuchend nach Luft ringen und versuchen einen ganzen Eimer Wasser auf einmal auszutrinken? Sie bekommen einen mehr oder weniger starken Schweißausbruch. Ja, und damit wären wir beim Thema: Der Körper wehrt sich gegen zu viel Wärme - via Schweißausbruch – und erzeugt so Verdunstungskälte. Scharfes unterstützt ihn dabei!

In Afrika wird dieses Prinzip zur Kühlung von Lebensmitteln genutzt. Diese werden in ein Affenfell eingewickelt, die Haare außen nass gemacht und das Ganze in einen Baum gehängt. Auch hier Kühlung durch Verdunstungskälte und dieser  „afrikanische Kühlschrank“ funktioniert.

Scharf in Mitteleuropa

Die Temperaturen in Europa sind nicht mit denen in Zentralafrika etc. vergleichbar. Um es positiv zu formulieren kann gesagt werden, dass in Europa 9 Monate Winter herrscht, aber danach nur noch Sommer ist. Was geschieht, wenn ein Europäer durch einen Thailandurlaub angeregt, die scharfe Thaiküche nach seiner Heimkehr begeistert übernimmt?  Das mag im Sommer gerade noch sinnvoll sein, führt aber in den kalten Monaten zu ständigen Frostgefühlen, verbunden mit Erkältungskrankheiten – Husten, Schnupfen , Heiserkeit und Grippeanfälligkeit.

Die praktische Nutzung von „Scharf“

Die Geschmacksrichtung scharf kann auch zur Selbsthilfe genutzt werden. Scharf regt den Darm an. Deshalb könnte Scharfes z. B. bei einer Verstopfung (Obstipation) in Erwägung gezogen werden. Dabei sollte aber zwischen atonischen (schlaffen) und spastischen (krampfhaften) Formen unterschieden werden. Es hat sich gezeigt, dass spastische Verstopfungen überwiegen. Da scharf gewürzte Speisen den Darm zusätzlich anregen (reizen), ist das in diesen Fällen kontraindiziert. Ebenso wird ein Reizdarm auf „scharf“ mit verstärkten Beschwerden reagieren.

Ja und, was ist nun mit dem Sex?

Eigentlich nichts! Außer, dass wärmende, zärtliche Umarmung und romantische Dinner bei Kerzenlicht eher zum Ziel führen. Vorteile haben hier wieder die Bewohner der Tropen: MacKinsey, Sexspezialist der 60er Jahre, hat in seinen Forschungen festgestellt, dass Männer sich bei großer Hitze zu Sexmuffeln entwickeln. Durch den Verzehr scharfer Speisen und Getränke können diese also auf ein brauchbares Maß „abgekühlt“ werden.

Vielleicht lassen sich diese Erkenntnisse im Hochsommer anwenden, doch im Winter steigert ein erhöhter Konsum von scharfen Dingen wahrscheinlich nur die Heizkosten. Eine weitere Überlegung zum Schluss: Eugen Roth, Autor der „Literarischen Hausapotheke“ gibt den Rat: Wenn die Zeugungskraft erschlafft, versuche es mit Überzeugungskraft. Ist doch auch eine Möglichkeit!

 Um weiteren enttäuscht bis verärgerten Kommentaren entgegen zu wirken, meine Überlegungen basieren großteils auf den Erkenntnissen der auf dem Taoismus stammenden, etwa 3000 Jahre alten asiatischen Ernährungslehre. Mir ist bewusst, dass diese Betrachtungsweise nicht Allgemeingut ist, die aber dennoch durch ihre Logik zum mitdenken anregen sollte. Ich erhoffe mir weiter, dass der eine oder andere Leser Erklärungen aus evtl. eigener Erfahrungen daraus ableiten und möglicherweise Änderungen vornehmen kann.

Klaus Radloff

Wärmen wir uns also auf! Falls das für die Männer wieder zuviel ist – raffelt etwas Ingwer drüber!

Ein wärmendes Frühstück


 


 

 

 
.hausformat | Webdesign, Videodesign, Motiondesign, Game