Himmel-Mensch-Erde

Durch das Schaffen von Flussbedingungen, dem obersten Ziel unserer Arbeit als Radloff TherapeutInnen, ermöglichen wir dem Körper, sein labiles Gleichgewicht zu finden. Dieses übergeordnete Ziel strebt auch die alte Chinesische Medizin an. Zum tieferen Verständnis, was wir mit unserer Meridianarbeit alles leisten und worauf wir unweigerlich Einfluss haben soll dieser Text dienen.

Der Mensch als Teil des Universums

Das allumfassende Universum beinhaltet die Teile Himmel und Erde und alle Lebewesen, auch den Menschen, als Bindeglied zwischen Himmel und Erde. Als Vermittler der Gegensätze Yang (= Himmel, spirituelle Kraft, Psyche) und Yin (= Erde, materielle Kraft, Physis) steht der Mensch in diesem Spannungsfeld. Das Qi in den Leitbahnen als Träger dieser Kräfte wirkt demnach entsprechend auf das gesamte Wesen Mensch. Also auf dessen Psyche genauso wie dessen Pyhsis. Behandeln wir also die Meridiane, behandeln wir immer auch die Verbindung im Menschen zwischen seinem Körper und seinem Geist.

Der Mensch als integrierter Teil des Universums unterliegt deshalb auch denselben Gesetzen. Wie das Universum ist auch der Mensch ein dynamisches System, welches ständigen Veränderungen unterliegt.

Veränderungen oder Geschehnisse in unserer Umwelt wie das Klima, Jahreszeiten, Tageszeiten, soziale Kontakte, Emotionen und vieles mehr, verlangen im Körper nach ständiger Anpassung.

Das dynamische System funktioniert als ein selbstregulierendes Energiesystem. Es ist bestrebt, das Gleichgewicht zu halten: die Homöostase1. Der Verlust dieser Anpassungsfähigkeit, wir nennen das Energieflussstörung, verursacht ein Ungleichgewicht und dadurch Krankheit. Folglich ist die Krankheitsbegründung nicht deren Ursache in einem Energieüberfluss oder Energiemangel im erkrankten Körpergebiet oder Organ zu suchen.

Ziel der Behandlung muss also der Ausgleich dieses Ungleichgewichtes bzw. die Wiederherstellung der Energieflussbedingungen sein. Um Behandlungen mit optimaler Wirkung durchführen zu können, muss jede einzelne Behandlung den tatsächlich vorliegenden energetischen Bedingungen angepasst werden.

Das Leben nähren - YangSheng

Der Daoismus geht im Gegensatz zum Buddhismus davon aus, dass der Mensch nur ein Leben hat. Aus diesem Grunde ist es wichtig, diesem Sorge zu tragen. Denn der Mensch ist auf dieser Erde, um seiner Bestimmung zu folgen. Um dies erfüllen zu können, soll er achtsam mit sich und seiner Umwelt umgehen, um ein möglichst langes und bewusstes Leben leben zu dürfen.

Es geht also darum, einerseits sich seines aktuellen Zustandes gewahr zu sein und andererseits sich bei möglichen Reaktionen zu hinterfragen. Bestehen Blockaden? Fliesst meine Energie? Bestehen vergrabene, ungelöste emotionale Blockaden?

Es ist wichtig, sein Qi zu pflegen, seine Flussbedingungen aufrecht zu halten. Denn wenn das Qi frei fliesst, kann das gesamte Wesen adäquat auf exogene Reize reagieren. Dies erreichen wir mit Achtsamkeit und liebevollem Umgang mit uns selbst. Wir erkennen dadurch, was uns guttut, was uns schadet. Wir müssen uns bewusst sein, wie wir unser Qi pflegen können.

Einflussmöglichkeiten auf unser Qi bzw. dessen Äusserungen

Die nachfolgende Grafik soll aufzeigen, wie sich unser Qi äussert und beeinflusst werden kann (es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit).

In der therapeutischen Arbeit muss es uns also darum gehen, unsere Klienten in ihrem gesamten Wesen zu erfassen. Ihnen offen und wohlwollend zu begegnen, ihre Flussbedingungen mit den Techniken unserer Methode herzustellen. Ihnen aber auch bewusst zu machen, dass sie selbst für ihre Gesundheit verantwortlich sind. Sie aus diesem Grund aufmerksam auf ihre Lebensführung machen und unterstützen in einem achtsamen und liebevollen Umgang mit sich selbst.

Wenn wir einen Meridian zum Fliessen bringen, bringen wir den Menschen in seinem gesamten Wesen in Fluss.

Die Ausbildung im Konzept Radloff umfasst alle diese Themen. Inklusive der Bestimmung des einzelnen Menschen auf dieser wunderbaren Erde. Nutzen wir unsere Möglichkeiten.

 


1«Fliessgleichgewicht, die Fähigkeit eines Systems, besonders eines Organismus, sich trotz Störungen der Umwelt in einem stabilen Zustand zu halten», Quelle: Lexikon der Psychologie, Bertelsmann 1992, S. 176 / 177. Stangl, 2018.